Alles hat zwei Seiten
- 21. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Wir leben in der Welt der Dualität, alles hat zwei Seiten. Oft sind es aber vielmehr unsere Bewertungen und subjektiven Wahrnehmung, die uns etwas als gut oder schlecht wahrnehmen lassen, anstatt der tatsächliche Wert einer Sache. Einerseits dient es unserem Schutz Bedrohungen richtig einzuschätzen, andererseits schießt das Ego gerne übers Ziel hinaus, wenn es um die Beurteilung anderer geht. Schließlich ziehen wir oftmals unseren Selbstwert daraus, wie wir im Vergleich zu anderen abschneiden.

Ein Küchenmesser kann ich dazu benutzen ein wundervolles Essen für meine Lieben zuzubereiten oder einen grausamen Mord zu begehen. Das Küchenmesser ist ein neutraler Gegenstand. Es geht vielmehr darum welches Bewusstsein das Küchenmesser benutzt. Ist KI schlecht? Nein. Ist Geld schlecht? Nein. Wäre eine Weltregierung schlecht? Nein. Diese Dinge können für Gutes genauso wie für Schlechtes benutzt werden. Ist Manipulation schlecht? Nein. Ich kann Menschen durch Manipulation ausnutzen oder ihnen meinen Willen aufzwingen, aber ich kann auch durch Energiemanipulation im Einklang mit dem Göttlichen zum Magier meines Lebens werden und Licht in die Welt bringen. Sind Herausforderungen schlecht? Nein. Selbst wenn es uns so erscheinen mag. Jede Herausforderung macht uns stärker und weiser, wenn wir sie gemeistert haben.
Ein kleines Kind, welches von einem Hund gebissen worden ist, wird wahrscheinlich kein großer Freund von Hunden sein. Trotzdem kann ein Hund für einen alten Menschen ein treuer Gefährte und Lebensretter sein. Wir beurteilen die Welt durch unsere ganz persönlichen Filter, durch unsere Vorlieben und unsere Abneigungen, aber vieles ist weder gut noch schlecht. Das Gesetzt der Polarität lehrt uns, dass alles im Fluss sein muss, damit Harmonie entstehen kann. Halten wir an „Schlechtem“ fest, kann das „Gute“ nicht fließen.
Was uns bei anderen sofort auffällt, bemerken wir bei uns selbst meistens nicht. Wir sind sozusagen betriebsblind für unser eigenes Verhalten und unser Innenleben auf geistiger, körperlicher und seelischer Ebene. Die Yoga-Tradition lehrt uns zum Beobachter zu werden. Wir sind angehalten unser Sakshi, unseren inneren Beobachter oder unser Zeugenbewusstsein, zu aktivieren. Versuchen wir uns selbst durch die Augen eines außenstehenden Beobachters zu sehen, entsteht die Notwendige Distanz zum reaktiven Selbst. Dadurch durchbrechen wir die Endlosschleife des automatischen Reagierens und können den Weg der bewussten Selbstbestimmung beschreiten. Unser Intellekt ist hier gefragt, der ruhig, kühl und ohne emotionale Ladung sachlich wahrnimmt.
Treten wir einen Schritt zurück und betrachten unsere Gefühle, Gedanken und Körperempfindungen mit neutralen Augen, dann geben wir uns selbst den Raum, anders mit einer gewohnten Situation umzugehen. Nehmen wir einen tiefen Atemzug und überlegen, ob sich hier alte Wunden aus der Vergangenheit wiederholen oder ob wir heute nur einen stressigen Tag hatten und deswegen überreagieren, haben wir viel über uns selbst gelernt. Bennen wir unsere Gefühle, lassen uns auf unsere Körperempfindungen ein und erkennen unsere Gedankenmuster, dann dürfen sie aus dem Unterbewusstsein endlich ans Licht kommen und gehört, gesehen und gefühlt werden. Das wollen wir schließlich alle – gehört, gesehen und „mitgefühlt“ werden. Wenn du sie liebevoll willkommen heißt, dann können sie sich auflösen, also transformieren und die Energie wird frei um etwas Neues zu kreieren. So wird Dunkelheit zu Licht. Wie der griechische Philosoph Heraklit schon sagte: „Panta rhei – Alles fließt“. Nur wenn wir im Fluss sind, können Licht und Schatten ungehindert durch uns und unser Leben fließen.
Der bewusste Beobachter in uns kann bewusste Entscheidungen treffen und selbst entscheiden, was er für gut oder schlecht befindet. Unser reaktives Selbst hingegen schlägt oft blind um sich und gerät ihn Panik, weil es glaubt keine Wahl zu haben. Wir haben aber immer eine Wahl. Schließlich hat alles zwei Seiten. Selbst in der schlimmsten Misere findet man den Silberstreifen am Horizont, wenn man nach ihm sucht.
Wie immer freue ich mich über eure Kommentare und wünsche euch alles Gute auf eurem Lebensweg. NAMASTE!






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