Bist du dir deiner Selbst bewusst?
Aktualisiert: 26. Juli
Das Internet geht über mit Tipps, wie man sein Selbstbewusstsein stärkt, weil es eines der meistgesuchten Themen für persönliche Weiterentwicklung ist. Handelt es sich aber wirklich um eine Selbstoptimierung oder ist es vielmehr die Rückkehr zu deinem wahren Selbst, so wie du immer hättest sein sollen, bevor deine Erziehung und Sozialisierung begonnen haben?
Kein Kind kommt mit herzzerreißendem Selbsthass oder nagenden Selbstzweifeln auf die Welt. Diese Dinge lernen wir von unserem Umfeld. Haben wir kein Selbstbewusstsein, dann glauben wir an ein schauriges Märchen, dass wir uns irgendwann über uns selbst angefangen haben zu erzählen. Eine Lüge, die in jeder Zelle unseres Körpers nachhallt, die uns hartnäckig in den Knochen sitzt und unser Nervensystem im dauernden Ungleichgewicht hält. All das ist und war aber niemals unsere wahre Natur.
Haben Kinder verlässliche, zugewandte und liebevolle Eltern, die gut auf das Kind eingestimmt sind und ihm Sicherheit geben, gesunde Beziehung vorleben und dem kindlichen Forscherdrang genug Freiraum geben, wo es erlaubt ist Fehler zu machen, dann wird dieses Kind ein gesundes Selbstbewusstsein, starkes Selbstvertrauen und robuste Resilienz entwickeln.
Wurden wir allerdings missbraucht, beschimpft, vernachlässigt oder abschätzig behandelt, dann werden wir in unserem Herzen felsenfest davon überzeugt sein, dass wir minderwertig sind, weniger als, nicht genug, zu wenig, zu dumm für alles, unfähig, nicht liebenswert, verabscheuungswürdig…
Wie gesagt, nichts davon hat mit deinem wahren Wert als Mensch zu tun!
Was ist Selbstbewusstsein?
Selbstbewusstsein bedeutet, dass wir uns unserer selbst mit all unseren Stärken und Schwächen bewusst sind, dass wir uns so annehmen, wie wir sind, und eine starke, gesunde Persönlichkeit entwickelt haben. Wir können dann gut mit den Herausforderungen und Rückschlägen des Lebens umgehen, stehen nach Enttäuschungen schnell wieder auf und haben ein Grundvertrauen in uns selbst und die Welt entwickelt. Selbstbewusste Menschen kennen ihre Talente und Vorlieben und leben diese ungeniert und selbstverständlich. Sie kennen ihre Grenzen, scheuen sich aber auch nicht diese auszutesten und Neues auszuprobieren. Sie marschieren nach dem Rhythmus ihrer eigenen Trommel und lassen sich nicht so leicht von Neidern irritieren, hetzen oder vom eingeschlagenen Weg abbringen.
Werden wir uns unserer selbst bewusster, bringen wir das, was aus dem Gleichgewicht gekommen ist wieder bewusst in Harmonie. Die unbewussten Programme, die uns steuern und uns das Leben schwer machen, laufen dann nicht mehr auf Autopilot, sondern werden bewusst von uns verändert. Wir entscheiden, was wir leben möchten und was nicht. Gehen wir hier einen Schritt weiter und lassen uns von unserem höheren Bewusstsein lenken, dann steigen wir aus den Programmen Manipulation, Kontrolle und Zwang aus, weil dann nicht mehr das Ego am Steuer sitzt, sondern unsere höhere Führung, die eine viel höhere Perspektive hat als das Ego, und uns immer im Einklang mit unserem höchsten Wohle lenkt. Im Zuge dieses 8 Schritte Programms werden wir uns damit aber noch nicht beschäftigen.
Was sieht aus wie Selbstbewusstsein, ist aber keines?
Gibt es das, zu viel Selbstbewusstsein? Wir leben ja in einer Zeit, wo Narzissmus zur Religion erklärt wurde. Je oberflächlicher, je arroganter, je egozentrischer und je grandioser, umso besser. Wir vergöttern diese emotional unreifen, unauthentischen, empathielosen und schlechten Vorbilder, als ob dieses Verhalten etwas Erstrebenswertes wäre.
In Wahrheit verstecken sich hinter Arroganz, Narzissmus, emotionaler Unreife und Grandiosität ein Mangel an Selbstbewusstsein und ein sehr fragiles Ego. Diese Menschen werden sehr defensiv, sind leicht beleidigt oder verfallen in bodenloses Selbstmitleid, wenn man ihre mangelnde und fehlerhafte Selbstwahrnehmung in Frage stellt. Die absolute Weigerung sich ihrer selbst bewusst zu werden, mit allen Höhen und Tiefen, verhindert, dass diese Menschen jemals wirklich erwachsen werden und Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen. Von unbewussten Menschen kann man kein echtes Selbstbewusstsein lernen.
Niemand kann zu viel an echtem, gesundem und authentischem Selbstbewusstsein haben, aber künstliche Selbsterhöhung, die auf dem Fundament der Angst zu wenig zu sein gebaut ist, die bei jedem Lüftchen ins wanke gerät und von externem Zuspruch abhängig ist, hinterlässt den fahlen Nachgeschmack von gähnender innerer Leere und ewiger Unzufriedenheit.
Warum mangelt es so vielen von uns an wahrem Selbstbewusstsein?
Die ersten sieben Lebensjahre sind die wichtigste Phase für unsere persönliche Entwicklung. Kinder sind wie Schwämme, die alles aufsaugen - einen genervten Gesichtsausdruck, die unterschwellige Energie von Frust im Elternhaus, die schneidende Kritik, den achtlos dahingesagten „guten“ Ratschlag, die Prügel für die zerbrochene Vase, das ständige nicht beachtet werden, Mamas Depression, Papas Selbsthass… Kinder kriegen alles mit!
Ich bin eine Advokatin für bewusste Kindererziehung, denn es liegt in der Verantwortung der Erwachsenen den Kindern nicht die Fackel der Bewusstlosigkeit mit auf den Weg zu geben, nur weil wir nicht die innere Stärke hatten, uns unserem Schatten zu stellen. Vielleicht tun wir es nicht mit Absicht, aber dennoch belasten wir die unschuldigen, kleinen und schmalen Schultern mit einer viel zu schweren Last, die eigentlich wir tragen sollten. Auch wenn einem Kind nicht durch ständige Wiederholung eingebläut wird, dass es wertlos ist, kommt es irgendwann selbst zu diesem Fehlschluss, denn nichts ist schlimmer, nichts erfüllt uns mit mehr Scham, als das Unvermögen geliebt zu werden, ganz egal, wie sehr wir uns auch verbiegen. Werden wir nicht genug geliebt, so wie wir sind, lernen wir nie uns selbst zu lieben. Ganz im Gegenteil, wir werden felsenfest davon überzeugt sein, dass etwas Grundlegendes mit uns nicht stimmt. Bedingte und mangelnde Liebe verhindern die holistische Entfaltung eines Kindes.
Wie werde ich selbstbewusster?
Was kann man nun aber tun, wenn man sich selbst nicht so recht leiden mag? Es gibt viele Ansätze wie man sein Selbstbewusstsein stärken kann und unzählige Methoden, um die innere Wahrheit ans Licht zu befördern. Eine davon möchte ich hier mit dir teilen.
Hinterfrage deinen inneren Kritiker!
Ich weiß, er ist ständig am Labern. Immer weiß er was. Dauernd muss er seine Meinung kundtun, diese alte Nervensäge. Wir kennen ihn alle, er klingt wie unser Vater, unsere Lehrerin oder der gemeine Nachbarsjunge. Am besten wir lassen ihn einfach mal weitermaulen und stellen uns ein paar wichtige Fragen:
Stimmt das überhaupt, was er da von sich gibt? Bist du wirklich so hoffnungslos, dumm oder nichtswürdig? Gibt es wirklich keine Hoffnung für dich? Machst du immer alles falsch, oder gelingen dir manche Dinge ganz gut? Bist du eine vollkommene Enttäuschung oder ist es einfach nur an der Zeit, dass du dich ent-täuschst?
Manche Menschen sagen und tun furchtbare Dinge, weil sie ihren Selbsthass nach außen projizieren, was aber immer mehr über sie, als über dich aussagt. Lass dich nicht von haltlosen Anschuldigungen aus dem Takt bringen. Es ist deine freie Entscheidung, ob du diesen Fieslingen oder deinem internen Peiniger weiter zuhören und ihren Lügen über dich Glauben schenken möchtest. Sinnvoller wäre es in jedem Fall, wenn du auf dein Herz hören würdest, denn dort wohnt deine Wahrheit. Leider leben wir in einer sehr kopflastigen Gesellschaft. Die Stimme des Herzens ist sehr leise, aber dafür umso beharrlicher. Hörst du sie?
Schlage diesem Besserwisser ein Schnippchen indem du anfängst liebevoll und fair mit dir selbst zu sprechen.
Anstatt: „Das hast du ja wieder super hingekriegt.“ Könntest du sagen: „Alle machen Fehler. Beim nächsten Mal gelingt es mir besser.“
Anstatt: „Das schaffe ich nie.“ Könntest du sagen: „Ich weiß erst, ob ich es schaffe oder nicht, wenn ich es probiert habe. Es zu versuchen ist sehr mutig von mir und ich lerne viel dazu, was mir neue Perspektiven eröffnet.“
Habe Mitgefühl und Verständnis für dich selbst. Würdest du mit einem Kind oder einer guten Freundin so sprechen? Dann sprich auch mit dir selbst nicht so!
Hat der innere Kritiker eine Schutzfunktion? Er hält uns auf alle Fälle klein. Er schaut, dass wir in Beziehungen in unserer zugeteilten Rolle bleiben, dass alles in gewohnten Abläufen feststeckt und dass sich nie etwas verändert. Das hat natürlich einen Vorteil. Wir müssen uns nicht unseren tiefsitzenden Ängsten stellen. Es erfordert eine ordentliche Dosis Mut die inneren Dämonen herauszufordern. Oftmals muss erst der Leidensdruck unerträglich sein, bevor wir anfangen unser Leben umzukrempeln. Der menschliche Körper liebt Routine, denn feste Abläufe sparen Energie und reduzieren Stress, was einerseits sehr effizient ist, uns aber nicht immer in die Karten spielt, vorallem, wenn er tagtäglich ein fehlerhaftes Programm abspielt.
Das kannst du tun:
Wähle deine bevorzugte Methode - malen, schreiben, tanzen, spazierengehen, boxen, baden, laufen...
Fordere deinen inneren Kritiker heraus! Hinterfrage ihn! Mach ihm das Leben schwer! Siehst du wie er kleiner und kleiner wird? Siehst du das kleine, verängstige Kind, welches hinter diesem Großmaul steckt?
Nun kannst du ihm - vergeben, ihm die Last zurückgeben, ihn segnen, ihn auf seinen Weg schicken, ihn zurücklassen, ihn Gott übergeben...
Mache es dir zur Gewohnheit diesen Plagegeist zu hinterfrage!
Meditation 1
SO HAM - Ich Bin
Wichtiger Hinweis: Bitte achte immer darauf, dass es dir bei allen Übungen und Meditationen gut geht. Im Fall von Trauma und intensiven psychischen Problemen rate ich dir dringend, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist keine Schande, sondern ein Zeichen von Selbstfürsorge. Dieser Blogbeitrag ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Diagnose und Behandlung.






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