Die richtige Position finden
Meditieren wäre ja wirklich schön. In höhere Sphären zu entfliehen, zu schweben, leicht zu sein… wenn da nicht dieser blöde Körper wäre. Dort zwickts, da zwackst, hier juckts, da tut’s weh.
Kaum schließt man die Augen, nutz der Körper seine Chance und meldet sich sofort zu Wort. Sonst haben wir ja auch keine Zeit ihm zuzuhören. Seine Sprache sind die Gefühle: „Mir tun die Schultern weh, weil du dir ständig mehr auflastest, als ich tragen kann.“ „Mich juckt’s jetzt hier ständig, weil ich gerade innerlich total gestresst bin und lieber eine Runde Joggen würde.“ „Mann oh Mann, das rosa Meditationskissen ist ja echt hübsch, aber wir sitzen eh schon den ganzen Tag vorm Computer.“
Der Körper kommuniziert direkt und gibt dir klares Feedback. Dauerstress und ständige Überlastung bewirken, dass unser Nervensystem und dadurch unser Körper in einem erregten Zustand sind. Ist der Körper erregt, sind auch unsere Gedanken am Rasen und unsere Gefühle in Tumult. Eine starre Sitzhaltung ist da nicht unbedingt förderlich, da der Körper Stress vor allem durch Bewegung abbaut.
Was tun? Schalte Musik ein und schüttel dich einmal ordentlich aus! Hüpf quer durchs Wohnzimmer, lauf auf der Stelle, wirbel durch die Gegend und versuch dabei, die Einrichtung nicht zu zerstören. Lass einfach mal die Sau raus – natürlich ohne dich zu verletzen. Dein inneres Kind, dass in der Schule schon brav stillsitzen musste, wird’s dir danken.
Wie lange? So lange, wie es sich für dich gut anfühlt. Dein Körper weiß ganz genau, was er braucht.
Und dann? Werde still. Setz dich auf den Boden, hau dich aufs Sofa, geh auf die Veranda und tue einfach einmal gar nichts. Spür dich einfach nur, hör dir einfach nur zu, schau, was hochkommt.
Du siehst also: Du machst absolut nichts falsch. Es gibt einfach nicht die eine „perfekte“ Position für jeden.
Mönche müssen sich nicht in aller Herrgottsfrühe durch den Morgenverkehr manövrieren. Sie werden nicht vom Kollegen blöd angemault, müssen nicht den ganzen Tag nervige Kunden betreuen und am Abend auch noch den gesamten Haushalt schmeißen. Nein, die haben ihre entspannte Morgenroutine, ihre Aufgaben, die sie in aller Ruhe erledigen, und eine Meditationspraxis an einem absolut stillen Ort. Keine langen Nächte, keine unüberwindbare Anzahl an To-dos, keine anstrengende Schwiegermutter…
Mach dich nicht fertig. Wir sind heutzutage fast alle ständig gestresst und Stress versetzt unseren Körper nun einmal in Alarmbereitschaft. Das ist unsere menschliche Biologie und nicht dein Fehler!
Deine Position ist die richtige Position!
In allen Meditationsritualen geht es vor allem darum, den Geist zu beruhigen. Einen ruhigen Geist haben wir aber nur, wenn unser Körper vom Stressmodus in den Ruhemodus geschaltet hat. Du kannst also die ganzen wundervollen Ratgeber gleich einmal alle raushauen und anfangen, auf deinen Körper zu hören.
Er meditiert lieber auf der Couch mit hochgelegten Beinen? Er will während der Meditation die Position ändern? Er möchte ein dickes Polster umarmen, weil er eine Stütze braucht? Warum tust du ihm den Gefallen nicht?
Schenke deinem Körper Wohlbefinden, damit sich dein Geist beruhigt. Mit der Zeit wirst du dann auch schwierigere Meditationspositionen meistern können, weil dein Körper irgendwann von alleine lernt, einen Gang runterzuschalten, wenn du dich auf dein rosa Kissen setzt.
Meditation bedeutet nicht, den Körper zu ignorieren oder ihn in eine schmerzhafte Pose zu zwingen, die im Instagram-Feed gut aussieht. Es geht darum, eine Haltung zu finden, die eine echte Partnerschaft zwischen Körper und Geist ermöglicht. Die beiden stehen nämlich in ständigem Austausch. Reden sie aber aneinander vorbei, wird es keine Teamarbeit geben.
Traditionelle Sitzpositionen konzentrieren sich auf die maximale Stabilität des Körpers im reinen Bodensitz, um stundenlang unbeweglich bleiben zu können, während der Geist in höhere Sphären aufsteigt. Wenn der Körper durch die Geometrie des Lotussitzes wie eine Pyramide vollkommen stabil, symmetrisch und ohne Muskelkraft aufrecht verankert ist, „stört“ er das Bewusstsein nicht mehr. Erst diese absolute physische Unbeweglichkeit ermöglicht es, den Fokus komplett von der Außenwelt abzuziehen und in tiefere meditative Zustände einzutauchen.
Wer jedoch gerade erst anfängt, Schmerzen hat oder mit inneren und äußeren Stressoren kämpft, für den ist es wesentlich wichtiger, den Körper in eine entspannte Position zu bringen. Und falls du dabei einschläfst? Dann holt sich dein Körper einfach nur das, was er gerade braucht. Grundsätzlich ist sowohl das Liegen als auch das Sitzen völlig in Ordnung – auch wenn ein aufrechter Sitz dem Geist natürlich dabei hilft, wach und klar zu bleiben.
Alle meine geführten Meditationen findest du hier!






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