Selbstreflexion
- 31. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Eine weitere Fähigkeit, die wir üben müssen, um selbstbewusster zu werden, ist Selbstreflexion. Weigern wir uns aus unserem Handeln oder unseren Erfahrungen zu lernen, dann vermögen wir uns nicht aus alten Verstrickungen zu ent-wickeln. Können wir uns selbst nicht ehrlich, bewusst und kritisch betrachten, dann können wir uns selbst nicht realistisch sehen, aus unseren Fehlern lernen oder Veränderung bewirken. Dann stecken wir in der Ego-Falle fest!
Was ist die Ego-Falle?
Alle alten Kulturen haben uns vor einem zu großen Ego gewarnt. Denn je größer das Ego, umso fragiler ist es und umso weiter entfernt sind wir von unserem wahren Selbst. Der Nährboden des fragilen Egos ist die Angst. Aus lauter Angst nicht genug zu sein, versuchen wir krampfhaft etwas zu sein, was wir in Wirklichkeit nicht sind. Angst ist auch der Grund, warum so viele Menschen dieses falsche Selbst am Leben erhalten. Im Laufe eines Lebens können sich Schichten über Schichten an falschen Glaubenssätzen anhäufen, die das gesamte Ego-Gebilde sehr zerbrechlich machen, weswegen es wider aller Vernunft mit allen Mitteln verteidigt werden muss.
Menschen mit einem aufgeblasenen Ego sind stets extrem defensiv und werden jeden, der ihre Ansichten oder ihr Verhalten in Frage stellt, bekämpfen oder lächerlich machen. Können sie nicht aus und sind gezwungen über sich selbst nachzudenken, verfallen sie in abgrundtiefes Selbstmitleid, was wiederum eine wirksame Methode ist, um nicht vor der eigenen Haustüre kehren zu müssen. Schließlich ist es auch viel einfacher, der bösen Welt da draußen die Schuld zu geben, anstatt Eigenverantwortung zu übernehmen. Diese Verhaltensweisen gehen üblicherweise mit einem hohen Maße an emotionaler Unreife einher.
Das Ego selbst ist natürlich nicht das Problem. Wir brauchen ein Ego, denn sonst würden wir verrückt werden. Unser Ego ist unser Ich-Bewusstsein, das für eine Erfahrung in einem physischen Körper unerlässlich ist, denn nur so können wir uns als Individuum wahrnehmen. Ist das Ego allerdings auf dem Fundament der Angst erbaut, dann erwächst daraus ein krankhafter Ego-Pfropfen, der alles blockiert – dein wahres Selbst, Erleuchtung, Wachstum, inneren Frieden, Harmonie, aufrichtige Freude, ehrliche Verbundenheit, wahre Liebe...
Was ist also keine Selbstreflexion?
Schuldübertragung, Suchtverhalten, Täter-Opfer-Umkehr, Selbstabwertung, Selbsterhöhung, Projektion, Vermeidung, Verantwortungslosigkeit, mit haltlosen Anschuldigungen um sich werfen, ungerechtfertigte Rechtfertigungen, dauerndes Grübeln, nervtötende Ablenkungsmanöver, kindische Psychospielchen, Kontrolle, Manipulation, Missbrauch, Opferdenken, Racheaktionen, unverschämte Entwertung oder künstliche Erhöhung anderer, Gaslighting, infantile Wutanfälle, Lügen, Grenzüberschreitungen…
Mit anderen Worten, alles, was die neutrale Selbstwahrnehmung verhindert.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen! Hier entscheidet sich, wer mutig genug ist, sich selbst kritisch zu betrachten, für das eigene höchste Wohl und das der gesamten Menschheit, oder wer wie ein bockiges Kind wider aller Logik an einer schlechten Ego-Inszenierung festhält. Selbstreflexion ist unerlässlich für Wachstum, Transformation und Selbstentwicklung! Wissen ist Macht bzw. Selbstermächtigung! Willentliche Ignoranz ist die bewusste Ablehnung und Ausblendung von Wissen, Fakten und unangenehmen Wahrheiten zum Schaden aller.
Warum verhalten wir uns eigentlich so dämlich?
Wir alle verhalten uns nicht immer wie die rationalsten, ausgeglichensten und zurechnungsfähigsten Menschen. Besonders wenn wir gestresst und überfordert sind oder körperliche Beschwerden haben, reagieren wir gerne falsch oder über. Unser Körper schüttet dann Stresshormone aus, was den rationalen Teil unseres Gehirns mehr oder weniger ausschaltet. Das ist natürlich keine Rechtfertigung für unmögliches Verhalten, erklärt aber, warum wir uns manchmal wie Idioten benehmen.
Es ist unser Stammhirn, welches unser Überleben sichert, das hier in den Kampf- und Fluchtmodus schaltet oder uns erstarren lässt. Dieser körpereigene Schutzmechanismus ist sehr effektiv, er macht allerdings keinen Unterschied zwischen tatsächlicher oder eingebildeter Bedrohung, zwischen psychischem oder physischem Stress, weil das Nervensystem immer die Lebensenergie so im Körper verteilt, dass wir die höchsten Überlebenschancen haben. Im modernen Alltag und in Zeiten von Dauerstress kann das durchaus unschöne Formen annehmen, besonders wenn unsere aufgestaute Wut die ohnehin geplagte und unterbezahlte Kassierin im Supermarkt und keinen geifernden, hungrigen und angriffslustigen Grizzlybären trifft.
Ich kann dir versichern, dass die schönsten, klügsten und erfolgreichsten Menschen auch wirklich dumme Sachen machen. Das ist nur allzu menschlich. Trotzdem sollten wir Wege finden unser körperliches oder psychisches Unbehagen nicht an anderen auszulassen, sondern Methoden lernen, die uns helfen unser Nervensystem wieder in einen ausgeglichenen Zustand zu versetzten. Körperbewusstsein ist hier unerlässlich. Ist dir bewusst, wann dein Körper in einen Zustand hoher Erregung wechselt und wie sich das anfühlt? Weißt du überhaupt, wie sich dein Körper anfühlen sollte, wenn er vollkommen entspannt ist, oder ist er schon seit deiner Kindheit im Dauerstress?
Es ist durchaus sinnvoll die eigenen Trigger, also die Auslöser für unser Verhalten, zu kennen, damit wir bewusst Handeln können. Wissen wir, was uns in Panik versetzt, was uns Energie raubt oder warum wir wütend werden, können wir emotionale Überreaktionen vermeiden, Konflikte besser navigieren, unsere Stärken gezielt ausbauen sowie klare Grenzen ziehen, wenn uns jemand oder etwas schadet.
Werde zum Beobachter!
Hast du den Mut dich ehrlich zu betrachten? Das Gute wie das Schlechte? Deine Höhen und deine Tiefen? Wir haben ja schon geübt den inneren Kritiker regelmäßig in die Wüste zu schicken. Unsere Körperwahrnehmung haben wir auch schon ein wenig geschärft. Außerdem haben wir verstanden, dass unser Körper einen eingebauten Überlebensmechanismus hat, der uns manchmal übers Ziel hinausschießen lässt. Wie werden wir nun aber zum neutralen Beobachter, der nicht wertet, der nicht verurteilt, der nicht schimpft oder bestraft?
Selbstreflexion kann man üben. Der innere Beobachter hilft uns Gedanken und Gefühle bewusst wahrzunehmen, ohne uns mit ihnen zu identifizieren. Wir können über die Vergangenheit nachdenken oder ein aktuelles Problem, ohne emotional geladen zu reagieren. Der innere Beobachter verschafft uns genug Abstand, um uns selbst ehrlich und gelassen unter die Lupe zu nehmen. Wir beobachten uns selbst wertfrei wie einen Fremden, denn mit einem Fremden sind wir längst nicht so streng wie mit uns selbst.
In der Hitze des Gefechts ist es natürlich nicht immer einfach einen klaren Kopf zu bewahren, aber zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sich die Wogen geglättet haben, können wir durchaus das eigene Verhalten genauer betrachten und im Idealfall daraus lernen. Vielleicht erkennen wir auch, dass wir aus einer Mücke einen Elefanten gemacht haben oder dass eine bestimmte Sache eigentlich gar nicht unser Problem ist, wodurch wir es ohne schlechtes Gewissen an den Eigentümer zurückgeben können. Vielleicht erkennen wir auch, dass wir es besser machen hätten können und hoffentlich, ist dies ein Anlass für Wachstum und nicht für Selbsthass.
Tue einfach nichts!
Wenn wir Unbehagen immer wieder vermeiden, lernen wir nie dieses Gefühl auszuhalten. Es ist eine instinktive Schutzreaktion unseres Nervensystems unangenehme Dinge und Ereignisse zu vermeiden. Das Meiden von Problemen, Konflikten, Anstrengungen oder unangenehmen, schwierigen Gefühlen empfindet der Körper als umgehende Erleichterung, weil es vom Gehirn als sofortige Belohnung registriert wird. Vermeidung führt aber langfristig zu vollkommener Stagnation. Dieses Verhalten wird schnell zur gefestigten Bewältigungsstrategie, weil es unser Nervensystem augenblicklich beruhigt. Diese schnellen Kicks verhindern aber, dass wir uns weiterentwickeln, aus Erfahrungen lernen und innere Stärke entwickeln.
Das nenne wir dann mangelnde Motivation oder fehlende Willenskraft, wenn wir in Wirklichkeit unser Nervensystem darauf trainiert haben, sofortige Erleichterung zu verlangen. Wie änderst du das? Das ist in unserer Leistungsgesellschaft wohl eines der schwierigsten und herausforderndsten Dinge – NICHTS TUN! Die meisten von uns halten keine 5 Minuten durch, aber genau aus diesem Grund ist es eine so transformierende Superkraft!
Wenn du lernst mit unangenehmen Gefühlen, Gedanken, Erfahrungen und Situationen zu sitzen, ohne die Schokolade auszupacken, ohne nach der Fernbedienung zu greifen, ohne auf das Handy zu schauen, kannst du wahre Selbstwahrnehmung trainieren. Jedes Mal, wenn du dich bewusst dafür entscheidest deinem Unbehagen wertfrei Raum zu geben, wirst du mehr und mehr zum Meister deiner selbst.
Was die moderne Neurowissenschaft erst jetzt erkennt, lehrt der Buddhismus schon seit tausenden von Jahren. Das Kernstück des Buddhismus sind die 4 edlen Wahrheiten, die uns lehren, dass Schmerz und Leid unvermeidlich sind, aber erst unser Widerstand gegenüber dieser unumstößlichen Wahrheit, erzeugt das wahre Leid, denn Vermeidung bewirkt, dass wir im Leid gefangen sind. Akzeptieren wir Schmerz und Leid als vergängliche Teile des Lebens, dann machen wir Raum für die positiven Aspekte unseres Daseins. Das Leben ist schließlich nicht Stagnation, sondern ein sich ständig wechselnder Kreislauf.
Meditation 3 Achtsamkeit, Zentrierung & Erdung
Wichtiger Hinweis: Bitte achte immer darauf, dass es dir bei allen Übungen und Meditationen gut geht. Im Fall von Trauma und intensiven psychischen Problemen rate ich dir dringend, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist keine Schande, sondern ein Zeichen von Selbstfürsorge. Dieser Blogbeitrag ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Diagnose und Behandlung.






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