Selbstvergebung
- 14. Aug.
- 6 Min. Lesezeit
Selbstvergebung ist ein Akt der Selbstfürsorge, der mit Selbstakzeptanz einhergeht. Können wir uns selbst nicht vergeben, dann stecken wir in der Vergangenheit fest. Wie eine schwere Last sitzt die Schuld auf unserem Herzen und nimmt uns die Luft zum Atmen. Sich selbst zu vergeben ist somit ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Selbstbewusstsein.
Wir haben schon über Schuld und Scham gesprochen. Schuldig fühlen wir uns für die Dinge, die wir tun, wir schämen uns aber für das, was wir sind. Schuld und Scham sind zwei Gefühle, die uns dazu bewegen sollten empathisch zu handeln und das Zusammenleben in der Gemeinschaft zu regulieren. Selbstvergebung bedeutet, dass wir uns für was auch immer wir uns schuldig fühlen vergeben. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass wir uns oftmals für Dinge schuldig fühlen, die gar nicht unsere Schuld sind.
Kinder ticken anders
Wenn sich die Eltern streiten, kann ein Kind z.B. schlussfolgern, dass es seine Schuld ist, weil es das Abendessen nicht aufgegessen hat. Kinder haben in den ersten Lebensjahren eine egozentrische Wahrnehmung. Sie beziehen also alles auf sich selbst, ob das Geschehen nun tatsächlich etwas mit ihnen zu tun hat oder nicht. Kinder besitzen außerdem magisches Denken, weswegen sie keinen Unterschied zwischen Realität und Fantasie machen. Aus diesem Grund stellen sie für uns Erwachsene oft überraschende Zusammenhänge her. Außerdem ist es für Kinder sicherer und weniger beängstigend die Schuld bei sich selbst zu suchen, als sich einzugestehen, dass die Erwachsenen um sie herum z.B. furchteinflößend, unsicher, gewalttätig oder impulsiv sind, denn Kinder sind von ihren Bindungspersonen abhängig.
Leider schleppen viele Menschen dieses Verhaltensmuster mit ins Erwachsenenalter und bürden sich Dinge auf, die nicht ihre Last zu tragen sind. Es ist somit wichtig zu prüfen, ob etwas wirklich unsere Schuld ist, oder ob wir uns hier unnötig das eigene Leben erschweren. Weder das Aufbürden fremder Schulden, noch die Verweigerung die eigene Schuld anzuerkennen, bringt uns im Leben weiter. Es erfordert Reife, Ehrlichkeit und innere Stärke sich dem eigenen Schatten zu stellen.
Was ist Vergebung eigentlich wirklich?
Im energetischen Sinne bedeutet Selbstvergebung störende Blockaden und ungesunde Verstrickungen zu lösen. Vergebung ist ein Vorgang bei dem die göttliche Ordnung wieder hergestellt wird, damit die reine Energie Gottes frei durch uns strömen kann. Wir öffnen durch Selbstvergebung die Türe zu unserem eigenen Käfig. Indem wir durch unsere Vergebung andere energetisch entlassen, schenken wir uns selbst die Freiheit, wir selbst zu sein. Echte Vergebung bedeutet, dass wir mit einem Thema abgeschlossen haben, dass wir keine emotionale Reaktion mehr dazu haben und dass wir unsere Lektion gelernt haben.
Vergebung und toxische Personen
Besonders beim Thema toxische Personen muss ich betonen, dass Vergebung etwas ist, dass man nicht tut, damit es dem anderen besser geht oder um dessen Verhalten gut zu heißen, sondern darum den eigenen inneren Frieden und die eigene innere Balance wieder herzustellen. Hat man es mit toxischen Personen zu tun, ist liebevolle Selbstfürsorge viel sinnvoller, als ihre ständigen Missachtungen anderer Menschen zu vergeben. Sie werden diesen heiligen Akt der Vergebung nicht zu schätzen wissen, ihn mit Füßen treten und ihr problematisches Verhalten keinen Nanomillimeter ändern. Vielleicht wird man für diese „Schwäche“ sogar verspottet. Eines signalisiert eine laut ausgesprochene Vergebung toxischen Person aber mit Sicherheit, nämlich dass sie dich von hinten bis vorne weiter ausnutzen, missachten, missbrauchen und einwickeln können, und du entschuldigst dich genialerweise auch noch dafür. Schaue lieber auf dich selbst!!!
Beachten sollte man auch, dass toxische Personen unehrliche Entschuldigungen gerne dazu nutzen, um sich moralisch über andere zu erheben oder um sich selbst vor den Konsequenzen ihres Verhaltens zu schützen. Das erhöht das eigene Ego, oder erspart einem zumindest Ärger, und man muss nicht weiter über die eigenen Verfehlungen nachdenken, weil man ja den anderen erfolgreich entwertet oder veräppelt hat. Ihre Entschuldigungen sind vollkommen wertlos, weil sie reine Heuchelei sind und keinen Funken wahrer Selbsterkenntnis beinhalten. Wie gesagt, sie machen einfach mit ihrem problematischen Verhalten weiter, als ob nichts geschehen wäre. Muss man das immer wieder vergeben, oder schützt man sich selbst?
Was ist keine Selbstvergebung?
Selbstvergebung erfordert die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln. Haben wir einen anderen Menschen verletzt oder einen materiellen Schaden verursacht, dann ist es unreif und feige sich vor der Verantwortung zu drücken, die Sache zu verharmlosen oder so zu tun, als ob sich der andere grundlos aufregt. Rechtfertigungen, Ausflüchte, Schuldübertragung, Leugnung und zu versuchen die Dinge unter den Tisch zu kehren sind eine klare Weigerung sich mit dem eigenen Verhalten ehrlich zu beschäftigen.
Andererseits sind auch Selbstbestrafung, Selbsthass, Selbstzerstörung oder ständige Selbstvorwürfe kein konstruktiver Weg die eigene Schuld zu verarbeiten, aus dem Geschehenen zu lernen oder Wiedergutmachung zu leisten. Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Wir alle machen hin und wieder etwas Dummes. Manche von uns lernen daraus, andere machen den gleichen Blödsinn ihr ganzes Leben lang. Es ist eine persönliche Entscheidung, welchen Weg man wählt.
"Es ist eines jeden Menschen, Fehler zu begehen, aber nur des Narren, im Irrtum zu verharren." Marcus Tullius Cicero
Die Schwere des Vergehens
Es kommt natürlich auf die Schwere unseres Vergehens an, aber es gibt immer eine Lektion zu lernen oder einen karmischen Grund für das, was passiert ist. Ewige Selbstkasteiung kann weder die Vergangenheit noch die Zukunft ändern. Vergessen wir die Autoschlüssel im Kühlschrank, weil wir total übermüdet sind, werden wir den Kopf schütteln und die Augen verdrehen. Übersehen wir aus dem gleichen Grund eine rote Ampel und verursachen einen schweren Autounfall mit mehreren Verletzten, werden wir das nicht so leicht abschütteln können. Oftmals verstehen wir nicht, warum gerade uns das passieren musste.
Im Grunde ist nur eine verschwindet geringe Anzahl an Menschen von Grund auf schlecht. In Wirklichkeit sind wir zutiefst soziale Wesen, die durch Kooperation und Empathie wesentlich mehr erreichen könnten, als durch den ständigen Wettkampf, oder wie es Darwin nannte „Survival of the Fittest“, von dem unsere moderne Gesellschaft geprägt ist. Wir sehen also, dass Menschen, die wirklich böse Dinge tun, oftmals selbst schwer traumatisiert worden sind oder in der Tat eine sehr dunkle Persönlichkeit besitzen.
Wie schon erwähnt, ist es eine persönliche Entscheidung, ob man sich für Heilung entscheidet und somit den Weg zurück zur göttlichen Ordnung beschreitet. In vielen Familien sind es zumeist die Hochsensiblen, die den Weg des generationsübergreifenden Traumas und der überlieferten Programmierungen verlassen, um einen gesünderen Weg zu beschreiten. Diese Menschen werden ausnahmslos von der Gesellschaft und von der eigenen Familie angegriffen. Nichts desto trotz fühlen sie sich berufen und wissen in ihrem Herzen, dass es eine liebevollere, harmonischere und gesündere Form des Daseins gibt. Sie sind festentschlossen ihre krankhafte Konditionierung nicht unbewusst an die nächste Generation zu vererben und ihr eigenes Potential voll zu entfalten.
Selbstvergebung ist keine Rechtfertigung für das, was geschehen ist. Wir müssen für unsere Taten geradestehen. Da gibt es keine billigen Ausflüchte. Je schwerwiegender das Vergehen, umso schwerer der Prozess der Heilung. Deswegen ist es in so einem Fall immer besser sich professionelle Hilfe zu holen, anstatt sich selbst zu therapieren oder zu „medikamentieren“. Wir Menschen heilen besser, wenn wir gesunde Verbindungen und liebevolle Unterstützung haben. Trauma ist heilbar und heutzutage gibt es schon sehr viele effektive Methoden und Therapieansätze, die uns eine neue Perspektive und frischen Lebensmut geben können. Niemand muss das alleine durchstehen.
Die Vergangenheit können wir nicht ändern, aber die Zukunft ist noch ein unbeschriebenes Blatt. Selbstvergebung ist der Schlüssel zur Heilung und befreit uns aus den Fängen der Vergangenheit.
Wechsle deine Perspektive
Anstatt mit dem Finger schuldzuweisend auf dich selbst zu zeigen, könntest du dich fragen, was du aus diesem Ereignis lernen kannst. Wenn du einen höheren Aussichtspunkt hättest, wie würdest du die Situtation dann bewerten? War es vielleicht ein Warnhinweis, dass du dir zu viel aufbürdest und leiser treten solltest? Fühlst du dich vielelicht ständig schuldig? Für was und warum? Ist das alles wirklich deine Schuld? Was kannst du ändern? Was würdest du einer guten Freundin oder einem Fremden in genau derselben Situation raten? Wärst du dann auch so streng mit ihnen? Sicherlich hast du nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt mit den Informationen und emotionalen Fähigkeiten, die dir zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung standen, oder? Was möchtest du in der Zukunft anders machen? Wie kann dich diese Erfahrung weiterbringen? Kannst du vielleicht dadurch anderen helfen?
Oftmals erweist sich ein großes Unglück im Nachhinein als Segen. Selbst tiefgreifende Schicksalsschläge oder Krisen können rückblickend betrachtet der Auslöser für etwas Gutes in unserem Leben sein. Manchmal passieren Dinge, die unser Herz zerbrechen, damit es sich öffnen kann. Vielleicht stellt im Hintergrund eine höher Macht die Weichen, damit wir unser Glück finden oder innerlich wachsen können. In jedem Ende liegt auch der Same für einen neuen Anfang. Vergiss nicht, in dir brennt ein Licht so hell, so schön, so strahlend, so wärmend, so rein, dass du auch in der dunkelsten Nacht immer ein Funken Hoffnung in dir trägst. Willst du diesem Funken folgen?
Meditation 5 Entlaste dich!
Wichtiger Hinweis: Bitte achte immer darauf, dass es dir bei allen Übungen und Meditationen gut geht. Im Fall von Trauma und intensiven psychischen Problemen rate ich dir dringend, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist keine Schande, sondern ein Zeichen von Selbstfürsorge. Dieser Blogbeitrag ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Diagnose und Behandlung.






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